OT aber liebe Meinung gefragt

Hallo an alle, ich schreibe lieber anonym und habe deshalb extra dieses Forum ausgesucht… alles, was ich mir immer gewünscht habe, war ein Kind zu haben… und dann kam mein erstes Kind nach 2 Jahren endlich zu uns und war schwer krank, es war alles sehr schwer aber wir waren trotzdem so glücklich ihn bei uns zu haben… wir haben ihn über alles geliebt und alles für ihn getan… dann wurde ich wieder schwanger und unser zweites Kind war glücklicherweise gesund… nun war ich Mama von zwei Kindern und es war teilweise sehr schwer mit meinem Schwerbehinderten Sohn und nicht so wie ich es mir vorgestellt hätte aber ich war so glücklich beide zu haben… wir haben uns ein drittes Kind gewünscht… ein drittes hoffentlich gesundes Kind, auch für unser jüngeres Kind… ich wurde zwei mal schwanger… einmal war es ein MA, beim zweiten Mal ein seltenes Syndrom und eine stille Geburt… wir waren am Boden zerstört aber haben uns dann auf unsere zwei Kinder besinnt und entschieden dass es gut so ist, wie es ist. Aber dann kam es anders…
Unser besonderes Kind ist dieses Jahr unerwartet verstorben. Wir leben dadurch immer noch im Ausnahmezustand. Und seitdem ist dieser Kinderwunsch wieder in mir erwacht… mein Mann meint ich würde mein Kind ersetzen wollen, aber so ist es nicht. Niemals könnte er ersetzt werden. Wir wollten ja auch vorher noch ein drittes Kind. Und es wäre ein drittes Kind, auch wenn unser großer nicht mehr bei uns ist… Ich weiß gar nicht, was ich jetzt hören will… vielleicht klinge ich auch etwas nüchtern aber anders kann ich im Moment nicht darüber sprechen… ich frag mich, ob mein Mann recht hat… und andererseits denke ich mir, ich habe auch nur dieses Leben und mein anderes Kind auch und ich wünsche mir so sehr noch ein Kind und ein Geschwister… aber ich will nicht, dass es den Beigeschmack von ersetzen hat… für mich hat es das nicht, denn ich weiß, welchen Platz mein Sohn in meinem Herzen hat … zudem hab ich natürlich aufgrund der ganzen Vorgeschichte auch Angst vor einer weiteren Schwangerschaft … aber der Wunsch ist so sehr da

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Eure Verluste tun mir unendlich leid! Ein Kind zu verlieren gehört zu den schlimmsten Dingen, die man erleben kann.

Du hattest den Wunsch nach einem weiteren Kind und ihr haben es sogar versucht. Aber es hat nicht geklappt.
Ich finde es sehr naheliegend, dass der Wunsch bei dir jetzt wieder hochkommt.
Ihr steht jetzt vor der schwierigen Situation, herauszufinden, ob es ein "echter" Wunsch ist ober ob es der Wunsch ist, die Lücke zu füllen, die entstanden ist.

Dazu gehört auch die Überlegung, ob dein Mann einen Kinderwunsch hat.

Vielleicht hilft es dir, wenn ich von uns erzähle.
Wir wollten immer zwei Kinder haben. Nach einer Fehlgeburt hat es bei uns ziemlich schnell geklappt und unser Tizian kam gesund und munter auf die Welt. Dann haben wir an Nummer Zwei gearbeitet und auch das ging ziemlich schnell. Dann gab es allerdings im ETS Auffälligkeiten. Wir wurden zum Spezialisten geschickt, verschiedene Tests wurden gemacht und dann kam die Diagnose Triploidie. Dabei liegt der gesamte Chromosomensatz nicht doppelt, sondern dreifach vor. Es ist der häufigste Grund für frühe Fehlgeburten und ein Kind mit einer Triploidie ist nicht lebensfähig. Die Ärzte gingen davon aus, dass unsere Tochter noch während der Schwangerschaft sterben würde und haben uns eine Abtreibung empfohlen. Wir haben lange darüber nachgedacht, lange gegrübelt und gezweifelt und nach dem Sinn gesucht. Schließlich haben wir uns entschieden, sie auszutragen. Gott sollte entscheiden, wann sie geht.
Sie ist termingerecht geboren und wir hatten drei Tage mit ihr💖
Wir haben damals nie über ein weiteres Kind geredet. Erst mussten wir selbst mit dem Verlust umgehen, dann starb mein Schwiegervater, Tizian musste im Urlaub aufgrund eines entzündeten Armes ins Krankenhaus und es musste viel Gewebe entfernt werden, dann wurde bei meiner Mutter Krebs diagnostiziert ... Es blieb einfach keine Zeit.
Dann wurde Tizian wieder krank und eine gute Woche später war er tot. Damals im Urlaub wurde eine Fehldiagnose gestellt. Weil die Krankheit aber erst später ausbrach, hat man es nicht bemerkt. Dann war es zu spät und man konnte ihn nur noch palliativ behandeln. Es war ein sehr schlimmer, qualvoller Tod für ihn.

Für uns kam dann irgendwann wieder die Frage nach einem Kind. Es hat sehr viele Gespräche und Gebete gebraucht, bis wir zu einer Entscheidung gekommen sind. Das Gefühl, Tizian und Theodora zu ersetzen, war manchmal da und kommt bis heute manchmal hoch.
Die Schwangerschaft war emotional eine Achterbahnfahrt. Es ging uns beiden oft nicht gut, weil wir Angst hatten und uns Vorwürfe gemacht haben, unsere Kinder ersetzen zu wollen - obwohl das natürlich Blödsinn ist. Niemand kann sie ersetzen. Aber manchmal kommt es uns doch so vor.
Die Angst ist bis heute da.
Als unser Eliel kanpp 1 Jahr alt war, hat mein Mann das Thema "Kind" wieder aufgebracht. Für mich kam es erst gar nicht in Frage, hauptsächlich, weil ich die letzte Schwangerschaft emotional so schlimm fand und nicht wusste, ob ich das noch einmal durchstehen kann.
Wir haben viel geredet und schließlich hatten wir doch beide einen Kinderwunsch und haben geglaubt, dass wir das schaffen.
Gerade in der Schwangerschaft war das Gefühl des Ersetzens sehr stark: Wir wollten immer zwei Kinder haben, wir hatten zwei Kinder, die wir verloren haben - jetzt haben wir wieder zwei Kinder. So hat es sich angefühlt.
Ich bin in gewisser Weise sehr froh, dass unser Jüngster ein Junge geworden ist. Noch einmal die Kombination "Großer Bruder, kleine Schwester" wäre emotional schwierig für mich geworden.
Es ging für uns nicht anders, als wenn wir beide einen Kinderwunsch haben. Die Zeit dahin, als ich wusste, dass mein Mann den Wunsch hat, aber ich irgendwie nicht bzw. zu große Angst, war vor allem für mich emotional herausfordernd.
Uns haben Gespräche und Gebete (und viele Tränen) geholfen.

Ich zucke zusammen, wann immer jemand sagt, dass ich zwei Kinder hätte. Das ist jedes Mal ein Stich, dass wir die beiden verstorbenen "ersetzt" hätten.
Ich grüble bis heute manchmal darüber, ob wir wohl auch noch ein oder zwei weitere Kinder bekommen hätten, wenn Tizian und Theodora beide leben würde, oder, wenn nur Theodora gestorben wäre. Das tut immer weh und ist immer mit Selbstvorwürfen verbunden.
Wir haben vier Kinder. Zwei Lebende, zwei Tote.

Für uns war auch wichtig, dass wir ein Kind bekommen, weil wir dieses Kind wollen, nicht, weil wir einen Gefährten für ein anderes Kind möchten.

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Danke für das teilen deiner Geschichte. Es tut mir sehr leid für euch. Es ist einfach das schlimmste, was man erleben muss… Ich freue mich von Herzen für euch, dass ihr noch ein 3. und sogar 4. Kind bekommen habt. Und ich verstehe auch deine Gedanken… aber trotzdem macht es mir irgendwie Mut. Aber du hast natürlich recht, es müssen beide dahinter stehen…

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Erstmal tut es mir sehr leid, dass dein Sohn verstorben ist, mein aufrichtiges Beileid.

Du schreibst "Und SEITDEM ist dieser Kinderwunsch wieder in mir erwacht". Das klingt für mich ehrlich gesagt auch nach einem Ersatz für deinen Sohn. Der Todesfall ist ja auch noch sehr frisch, wenn es erst dieses Jahr geschehen ist. Für mich klingt es so, als wäre hier noch vieles zu verarbeiten. Nicht nur für dich, auch für deinen Mann.

Du weißt am besten, was in dir vorgeht und wie du dich fühlst. Wenn du bereit bist, bist du bereit. Vielleicht ist dein Mann es noch nicht. Kommunikation ist meiner Meinung nach Alles.

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Liebe TE,
Es tut mir sehr leid, dass ihr diesen Verlust durchmachen musstet. Ich selber schreibe nicht aus eigener Erfahrung. Wir haben im Freundeskreis einen ähnlichen Fall im vorletzten Jahr begleitet. Ich denke, du weißt, dass ein Ersatz niemals möglich ist.Dass dieser Wunsch nach einem weiteren Kind bei dir wieder hochkommt, ist absolut nachvollziehbar.
Wir haben nicht gewagt, unseren Freunden „Tipps“ zu geben, sondern nur tröstend zur Seite gestanden.
Beide sind in ihrer Trauer versunken. Sie hatten 2 Kinder, ein 2- jähriges mit Trisomie und einen Säugling. Dieser ist nach 2 Wochen verstorben; wenige Monate später ihr 2- jähriges. Im September diesen Jahres ist ihr drittes Kind ( ungeplant) geboren und ihr ganzes Glück. Es geht aufwärts. Es ist kein Ersatz. Es ist ihr drittes Kind.
Vielleicht ist es bei euch ähnlich. Vielleicht solltest du ein weiteres Kind bekommen, wenn es dein Wunsch ist. Nach dieser objektiven Erfahrung würde ich euch zuraten.
Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute.
Fühl dich gedrückt.

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Unsere besten Freunde haben überraschend ein Kind verloren, das älteste von Dreien.
Bei ihnen kam auch sehr schnell der Wunsch nach einem weiteren Kind auf.
Nicht um das verlorene Kind zu ersetzen, sondern eher um ihrem Leben einen neuen Sinn zu geben, eine neue Aufgabe zu haben.
Das hat zum Glück auch geklappt, aber alle Freude über das neue Leben kann natürlich nicht über die Trauer hinweg trösten, die bleibt.
Sie haben jetzt vier Kinder, auch wenn eines nicht mehr lebt.
Für das "neue" Kind kann das sicherlich zur Bürde werden, wenn man es zum Ersatz macht oder ständig vergleicht, da ist es wahrscheinlich manchmal einfacher, wenn es das andere Geschlecht hat. Aber grundsätzlich kein Kind mehr zu bekommen, weil ein Kind verstorben ist, kann nicht richtig sein.
Wichtig ist, dass du und dein Mann euch einig seid - da hilft nur reden!
Euch alles Gute für die Zukunft!

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Hey!

Euer Verlust tut mir sehr leid.
Ich glaube, Kinderwunsch ist Kinderwunsch. Über die Motivation dazu würde ich mir keine Gedanken machen. Das ist doch mühselig.

Mir wurde hier im Forum auch schonmal angekreidet, dass unser kiwu entstand, als klar wurde, dass wir nicht so einfach Eltern werden können. Diese Argumentation war für mich nicht nachvollziehbar. Wir sind nun vollzählig und ich habe nicht den Eindruck, zu einem falschen Zeitpunkt Mutter geworden zu sein.

Ich meine, ihr wisst ja, dass euer großes Kind immer Teil eurer Familie sein wird- da kann man nicht von "Ersatz" sprechen.

Liebe Grüße und alles Gute! ♥️

Schoko