Gefangen im Leben, das ich mir so gewünscht habe

Liebe Community

Heute schreibe ich mal anonym.

Ich bin müde…müde vom Alltag, von den Erwartungen an meine Person, irgendwie von Allem.

Das wird ein Text, den ich täglich im Kopf denke, aber nie laut aussprechen würde. Ich kann mit keinem so richtig reden, weil eigentlich habe ich „alles“. Ich müsste nur glücklich und dankbar sein. Aber ich bin sehr müde und ausgelaugt.
Leider.
Viele werden es vermutlich nicht verstehen. Manche vielleicht schon.

Ich (36) habe einen wunderbar Mann, mit dem ich seit knapp 19 Jahren mein Leben teile.
2017 kam nach etwas längerer Kinderwunsch-Zeit unser Sohn. Ein absolutes Wunschkind von uns. 2023 kam unser zweiter Sohn. So blöd es klingt…für ihn habe ich lange gekämpft. Mein Mann war sich lange nicht sicher, ob ein zweites Kind wirklich eine gute Idee ist. Finanziell, auf Wohnraum bezogen, organisatorisch usw.

Eigentlich nach Außen alles Bilderbuch. Zwei wundervolle Kinder, geregelte Arbeit, intakte Beziehung und doch….ich habe immer mehr Tage an denen ich „raus“ aus meinem Leben will.
Versteht mich nicht falsch. Ich bin so, so dankbar das wir entgegen vieler Diagnosen zwei Kinder durchs Leben begleiten dürfen. Das wir beide gute Jobs haben und geregelte Einkommen. Das wir ab und zu mal einen Ausflug machen können oder Essen gehen. Aber ich bin auch so erschöpft. Mein großer Sohn ist sehr fordernd. Oft hör ich mehrmals pro Minute „Mama schau mal“…“Mama weißt du“… usw., mein Mann ist häufig unterwegs und hat Einsätze (Hilfsorganisation) und ich, regele gefühlt Alles….Einkaufen, Haushalt, Kochen, Hausaufgaben begleiten nebenher noch Säugling versorgen, nachts aufstehen, morgens wieder parat stehen und Frühstück richten usw. In wenigen Monaten kommt mein Teilzeit-Job noch mit drauf.

Ich würde gern einfach mal so 1-2 komplette Tage raus aus meinem Alltag. Aus meinem Hamsterrad.
Nicht nur für paar Stunden am Abend sondern mal so komplett weg. Ausschlafen, nicht irgendwo immer einen Sensor haben und funktionieren müssen für die Kinder. Ein Tag im Schlafanzug bleiben und mich um nichts und niemand kümmern müssen.

Aber das geht nicht. Nicht mal einfach so.

Ich versuche mir immer wieder kleine Inseln für mich selbst zu schaffen bzw. schaut auch mein Mann danach. Aber ich fühl mich trotzdem immer öfter erschöpft, ausgelaugt, selbstverständlich und teilweise unsichtbar. Bis zu einem gewissen Grad ist das auch in Ordnung. Aber immer häufiger gehe ich wegen Kleinigkeiten an die Decke, fühle mich nicht ausgeglichen und emotional erschöpft.

Da war jetzt sehr viel Gejammer in meinen Zeilen aber ich dachte, wenn ich mal aufschreibe, was mich belastet, hilft es mir vielleicht, „drüber geredet“ zu haben. Vielleicht gibt es Leute da Draußen denen es ähnlich geht.

Quasi alles zu haben was man sich gewünscht hat…und es nicht genießen zu können, weil das Leben so viele Verpflichtungen bereit hält und man gefühlt nicht genug Zeit und Energie hat um alles so machen zu können, wie mss am n gerne wollen würde.

Wer bis hierhin gelesen hat…DANKE ☺️

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Du brauchst mal ein Wochenende zum auftanken, total verständlich nach einem Babyjahr mit Erstklässler.

Warum sollte das nicht gehen? Dein Mann soll sich einen Tag Urlaub zum Wochenende nehmen und du suchst dir ein schönes Hotel in der Nähe, buchst direkt ne Massage dazu. Falls es finanziell knapp ist könntest du vielleicht deine Eltern/Geschwister oder ne Freundin besuchen.

Kinder natürlich beim Papa lassen. Ich brauch das auch 1-2 mal im Jahr, und bei mir ist das 2017 geborene Kind das jüngere.

Und es wird einfacher, mit jedem Jahr. Ich bin nun endlich soweit, nach über zehn Jahren Mutterschaft, das ich mal ohne Kinder in den Supermarkt fahren kann. Gerade schaffen wir das Elterntaxi für den Schulweg ab. Alles wird einfacher, Schritt für Schritt..

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Hallo, meine liebe,
ich verstehe dich gut. Als ich kleine Kinder hatte, war ich auch sehr erschöpft. warst du mal beim Arzt und hast dich untersuchen lassen? Vielleicht hast du einen Vitaminmangel. Nimmst du dir genug Zeit zum Essen?
Hast du liebe Bekannte, Verwandte, die dich mit den Kindern unterstützen können?
Gibt es die Möglichkeit, deine Arbeitszeit zu reduzieren?
Du kannst mal fragen bei Arzt oder Krankenkasse, ob eine Mutter Kind Kur eine Möglichkeit wäre, damit du wieder auf die Beine kommst. Alles Liebe

Bearbeitet von Barbara47
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Guten morgen

Ganz lieben Dank für deine Antwort.

Nein, beim Arzt war ich nicht. Ehrlich gesagt wüsste ich nicht, was ich da genau sagen sollte. Ärzte sind so eine Sache mittlerweile. Ich musste in der Schwangerschaft mal wegen einer Bronchitis gehen und da war ich schon quasi unerwünscht überhaupt zu kommen. Dass dann über Stunden im Wartezimmer mit Schmerzen und hatte einen Termin von 2-3 Minuten dann. Ich meide Ärzte ehrlicherweise hi wo es nur geht.

Tatsächlich haben wir keine Familie hier. Mein Mann keine lebenden Verwandten mehr und meine Familie wohnt ca 4h Autofahrt weg. Freunde und Nachbarn unterstützen hin und wieder stundenweise, aber dass ist nicht das selbe wie mal eine komplette Auszeit für 1-2 Tage. Ich stehe nicht allein auf weiter Flur und habe Hilfe im Umfeld. Aber trotzdem fühle mich manchmal eben emotional erschöpft.

Mutter Kind - Kur. Danke für die Idee. ☺️ Aber ich denke nicht, dass das für Personen wie mich gedacht ist, sondern für welche die wirklich am Rand stehen und dringend Unterstützung benötigen. Bei mir ist es kein chronischer Dauerzustand, sondern ein „immer wieder mal“.
Ich glaube für den Moment hilft ein: ich rede mal drüber schon für mein Seelenheil.

Liebe Grüße

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Aber ich bitte dich! Die Kur ist nicht für Menschen die schon mit einem Fuß am Abgrund stehen, die ist für erschöpfte Menschen zur Prävention gedacht.

Ich glaube aber nicht das es eine gute Idee ist mit Baby eine Mutter Kind Kur zu besuchen. Aber ich denke es ist eine gute Idee einmal Kassensturz zu machen und zu schauen ob eine Hilfe im Haushalt drin ist. Nach einem netten Babysitter Ausschau zu halten. Vielleicht die Betreuung länger zu buchen als du es für die Arbeit benötigst, und wenn es nur ne Stunde ist.

Falls du stillst- das zweite Kind habe ich mit 11 Monaten abgestillt, ich war einfach total müde. Beim ersten bekommt man zumindest am Tag ja noch etwas Ruhe, beim Zeiten geht das nicht. Beide Kinder haben sofort nach dem abstillen besser geschlafen. Ich habe mich direkt fitter gefühlt. Und freier. Falls das der Grund ist warum wegfahren noch nicht möglich ist.

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Hallo du,

Das klingt sehr erschöpft. Wie alt ist dein zweites Kind und wie viel Schlaf bekommst du?

Ich kenne diese Gedanken. Aber bei mir wurde es besser, als ich wieder länger am Stück schlafen konnte. Das Babyjahr ist einfach hart - erst recht mir älterem Kind.

Hast du denn jemanden, der dich unterstützen kann außer deinem Mann?
Vielleicht mit Kindern ein Wochenende zu deinen Eltern fahren und dann kümmern sich Oma und Opa um das meiste?

Fühl dich gedrückt!

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Guten Morgen auch für dich (und alle Anderen)

Der Kleine ist knapp 10 Monate jetzt dann. Ich schlafe eigentlich so grob 3 Stunden, dann ca 1h wach weil Baby wach, dann 3 Stunden wieder dann wieder wach für ne knappe Stunde und dann nochmal ca 1h bevor wir offiziell aufstehen für die Schule.

Der Rhythmus wird sich ändern wenn ich auch wieder arbeite. Dann werde ich nicht allein nachts aufstehen, falls das dann noch erforderlich ist, sondern abwechseln. Das haben wir schon besprochen.

Meine Eltern leben eben etwa 4h weg. Wir wie sind vor paar Wochen mal hingefahren. Meine Eltern sind mit unter 60 noch recht rüstig. Aber müssen auch selbst noch arbeiten. Die Autofahrt war kein Spaß. Ich war froh als wir endlich da waren. Und dann auch wieder daheim.
Ich bin nicht ganz allein und habe schon Unterstützung. Aber ich würde eben gern mal so komplett „aussteigen“ für 1-2 Tage. Das geht aber aktuell nicht. Stundenweise schon. So ist das nicht. Mein Mann übernimmt auch die Kinder abends und am Wochenende mal komplett. Aber eben nicht tageweise. Das ist aktuell nicht einfach mal schnell umsetzbar.

Ich bin dankbar für die Gedankenanstösse und vor allem für das „Verständnis“. Manchmal hilft es schon einfach mal „gehört“ zu werden. Oder das es jemand nachvollziehen kann. Mein Mann hat absolut Verständnis und versteht schon auch, das ich manchmal am Limit bin. Er versucht mir dann Abende freizuschaufeln. Aber manchmal bin ich sogar dazu zu müde und erschöpft und will gar nicht mehr weg und raus…sondern einfach schlafen und einfach nichts tun und nichts denken.

Liebe Grüße

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Für ein 10 Monate altes Kind ist der Schlaf sehr unruhig, wenn das wirklich jede Nacht so läuft. Gibt es eine Schlafambulanz bei euch? Da würde ich hingehen. Ansonsten stimme ich den anderen zu, das Babyjahr ist anstrengend. Objektiv sollte es bei dir aber machbar sein, ich würde wirklich am Schlaf ansetzen, damit du Erholung hast. Ich habe mich wie neu geboren gefühlt, als die Kinder durchgeschlafen haben. Wir mussten da übrigens auch sehr daran arbeiten, es waren beide sehr schlechte Schläfer.

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Ich kenne das soo gut. Und selbst wenn man dann seine Ruhe hat bleibt man erschöpft das Rad dreht sich ja weiter.
Warst du schon beim Arzt gut durchchecken lassen?

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Warum ist es nicht möglich mal eine Auszeit wie du sie dir wünscht zu bekommen?
Er wird ja nicht ständig unterwegs sein.

Jeder mit Kindern kann dein Bedürfnis nachvollziehen. Auch ich.
Ich war mal 3 Tage im Krankenhaus wegen einem Routineeingriff. Zufällig hatte ich ein Zimmer für mich alleine. Die paar Tage waren Luxus pur für mich. Nichts hören, nichts sehen, nichts putzen und das Essen serviert bekommen.

Wenn man sonst keine Unterstützung hat, ist es wichtig sich gegenseitig Freiräume zu verschaffen. Bei uns wars keine Übernachtung im Hotel, aber immer wieder einzelne Tage.
Entweder war der eine mit den Kindern unterwegs und der andere alleine zu Hause oder umgekehrt.

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Oh ja , der Luxus ,im Krankenhaus 😉.
Ging mir auch schon so . Das ist eine Sache, die ,glaube ich, wirklich nur Mamas verstehen. 💛🧡💛

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Ich verstehe dich sehr gut und tatsächlich denke ich, du solltest grundsätzlich etwas ändern, bevor deine Akkus tiefenentladen sind und du zusammen brichst.

2023 - wie alt ist euer Baby genau? Stillst du (noch)? Wenn nein (oder nur noch wenig) - dann fahr mal 2 Tage weg. Das würde schon klappen, denke ich.

Wieso musst du die komplette Care-Arbeit und Mental-load übernehmen (alle Urbianer:innen, die sich von dem Wort getriggert fühlen, bitte überlesen!)?

Ja auch ich bin grade in EZ und übernehme definitiv „mehr“. Aber in vielen Bereichen übernehme ich auch „alles“ und das war auch so, als ich noch gearbeitet hab und entgegen anderer Frauen/Menschen finde ich das inzwischen nicht mehr fair oder „das geht so nebenbei“ - es verbraucht schon Ressourcen. Z.B.: welche (Kinder-/Kita-) Termine stehen an, wann ist welche Impfung fällig und wann muss ich beim Arzt anrufen für die U-Untersuchungen, brauchen wir neue Klamotten (zu Hause/in der Kita), wer hat bald Geburtstag und was schenken wir, etc. pp!

Du weißt sicher, was ich meine. Und ja, da „nebenbei“ noch Haushalt, Kinder und möglichst alle entspannt betreuen und begleiten - klappt nicht immer, ich bin auch nur ein Mensch.

Ich hab inzwischen viel Verantwortung „abgegeben“. Wenn Geburtstage die Familie meines Mannes betreffen, muss er sich erinnern und was besorgen (stehen alle im Kalender). Klappt nicht immer, aber ich hab die Last nicht mehr alleine und ja, manchmal besorgt er dann halt was auf dem letzten Drücker oder verspätet, nicht mein Bier.

Auch muss er manchmal Urlaub/frei nehmen, ich stemme nicht mehr alle Termine alleine und mit 2 Kindern oder er darf gewisse Dinge organisieren. Ich halte nicht mehr „selbstverständlich“ und „unbegrenzt“ den Rücken frei für Hobbys/Ehrenämter, sondern kommuniziere, wenn’s mir nicht passt und ich ne Auszeit brauche. Also „diesen Samstag bleibst du bitte daheim, ich bin fix und fertig!“

Ich verstehe deinen Wunsch nach 1-2 Tagen Auszeit total und denke tatsächlich, obwohl ich ja schon einiges geändert hab, trotzdem so 😜 aber ich weiß auch - so ne Auszeit tut für ne kurze Zeit gut. Aber langfristig muss man eben grundsätzlich was ändern.

Kopf hoch - du bist nicht alleine und wenn du ergründest und verstehst, woher die Erschöpfung kommt, kannst du dich (bzw ihr euch) umstrukturieren und dem entgegen wirken. Damit nicht nur nach außen, sondern auch nach innen alles gut ist :)

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Wenn du mal jemanden brauchst bei dem du dich nicht nur schriftlich sondern direkt "auskotzen" kannst
https://www.telefonseelsorge.de/

Habe ich auch schon gemacht, denn irgendwann ist der Akku leer und man braucht jemanden der einfach nur zuhört.

Alles Gute

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Ich habe den Eindruck, dass du denkst alles machen zu müssen, weil dein Mann nicht begeistert von der Idee mit Kind 2 war. Du wolltest ja ein zweites Kind, also musst du dich jetzt um alles kümmern. Aber so funktioniert es nicht.
Auch wenn es anderen schlechter geht, darfst du deine Probleme und Gefühle ernst nehmen.
Uns hat geholfen:
- Ich schlafe Sonntag aus, mein Mann Samstag
- Einen Tag im Monat hat jeder für sich. Da fahre ich allein in die Stadt, trinke im Café in Ruhe! einen heißen! Kaffee und bummel ein bisschen, lese ein Buch...das tut so gut einfach mal nicht mit einem Auge immer beim Kind sein zu müssen
- Wir haben uns beide Hobbies zugelegt, die uns Freude und Energie geben
- Oma kommt für eine Woche im Quartal und die nutze ich nicht, um Überstunden aufzubauen, sondern um meine Reserven aufzuladen.

Die Gesellschaft versucht uns einzureden, wir müssten gleichzeitig super Mütter, motivierte Arbeitnehmerinnen, tolle Partnerinnen, gute (Schwieger)Töchter, engagierte Freundinnen mit perfektem Haushalt und gut sitzender Frisur sein. Und natürlich immer gut drauf. Das ist der größte Quatsch, niemand kann das auf Dauer alles leisten.

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Das sind völlig normale Gedanken und Wünsche, nichts für das man sich schämen müsste😉

Mir hilft in diesen Situationen in mich zu gehen und darüber nachzudenken was mich gerade so erschöpft und was mir wirklich fehlt.

Für mich wäre ein Wochenende allein zb der absolute Horror und eher kontraproduktiv. Ich hab meine lieben gerne um mich herum und freie Zeiten verbringe ich dann am liebsten mit meinem Mann.

Eine Kur, die die hier vorgeschlagen wurde, ist zwar nett gemeint, aber mit zwei Kleinkindern wirst du davon gar nichts haben,weil die Betreuung nicht gewährleistet sein wird vor Ort, du müsstest also schon allein fahren😕
Auf jeden Fall mal den Tipp annehmen und mit dem Hausarzt deine Blutwerte checken.

Ansonsten glaub ich, entgegen der ein oder anderen Vorrednerin- das dir das arbeiten in Teilzeit wirklich sehr gut tun wird. Mal die Verantwortung zu Hause ruhen zu lassen, andere Herausforderungen erleben, mit Kollegen quatschen etc ist manchmal Balsam für die Seele.
Das türkische am Elternsein ist für mich nämlich, dass man in seiner Überforderung manchmal einfach kognitiv unterfordert ist😉
Du solltest vllt nur jetzt schon schauen wie du dir Kinderbetreuung und Care-Arbeit dann mit deinem Mann teilst, damit es da nicht zu viel für dich allein wird🙂

Ich wünsche dir alles Gute!

Bearbeitet von Vierfach-Mami